Binta – eine weite Reise für ein glückliches Leben

Binta wurde in Gambia mit einem angeborenen Herzfehler geboren. Drei Löcher in ihrer Herzscheidewand sorgten dafür, dass ihr Blut nicht richtig zirkulieren konnte. Schon als kleines Kind wurde sie schnell müde, konnte nicht lange laufen und hatte oft Atemnot. In ihrem Heimatland gab es keine ausreichende medizinische Versorgung für eine so komplexe Herzoperation. Die einzige Möglichkeit für Binta war eine Behandlung im Ausland.

 

Was bedeutet es, ein Loch im Herzen zu haben?

Ein Loch im Herzen ist eine angeborene Fehlbildung der Herzscheidewand, die das sauerstoffreiche und sauerstoffarme Blut vermischt. Dadurch arbeitet das Herz ineffizient, und der Körper erhält möglicherweise nicht genug Sauerstoff. Es gibt zwei Hauptformen: Vorhofseptumdefekt (ASD) – ein Loch zwischen den Vorhöfen des Herzens Ventrikelseptumdefekt (VSD) – ein Loch zwischen den Herzkammern Auswirkungen auf Betroffene Menschen mit einem solchen Defekt können unter Atemnot, schneller Erschöpfung, Herzrhythmusstörungen oder Wachstumsstörungen leiden. Schwere Fälle können langfristig zu Herzinsuffizienz oder Lungenhochdruck führen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung hängt von der Größe und Lage des Defekts ab: Kleine Löcher verschließen sich manchmal von selbst. Mittlere bis große Defekte werden durch einen Kathetereingriff oder eine Herzoperation behoben. Schwere Fälle erfordern langfristige Nachsorge, teilweise mit Herzschrittmachern. Dank moderner Medizin können heute viele Menschen mit angeborenen Herzfehlern ein fast normales Leben führen.

Dank der Unterstützung der Stiftung „Deutsche Lebensbrücke“ konnte ihre Familie nach Deutschland reisen, um Binta im Deutschen Herzzentrum operieren zu lassen. Die Kosten für den Eingriff und die Aufenthaltskosten im Ronald McDonald Haus wurden durch eine Spendenaktion finanziert. 2018 wurde Binta schließlich in München operiert – eine zehnstündige Operation, die ihr Leben veränderte. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt und intensiver medizinischer Betreuung konnte sie endlich Dinge tun, die vorher unmöglich schienen: schneller laufen, länger spielen und vor allem ohne Angst vor plötzlicher Erschöpfung leben.

Hoffnung und Heimat auf Zeit: Wenn Stiftungen die OP-Kosten für Kinder aus dem Ausland übernehmen

Wenn Stiftungen die Kosten für eine lebenswichtige Operation eines Kindes aus dem Ausland übernehmen, bedeutet das weit mehr als finanzielle Unterstützung. Es ist ein Zeichen von Menschlichkeit, globaler Solidarität und der Überzeugung, dass jedes Kind – unabhängig von Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten – die bestmögliche medizinische Versorgung verdient. Für Familien aus Ländern wie Gambia, in denen spezialisierte medizinische Eingriffe oft nicht verfügbar oder unbezahlbar sind, ist dies eine Chance auf Leben und Zukunft.

Doch die Operation selbst ist nur ein Teil des Weges. Die Reise nach Deutschland, die Trennung von der Familie, die Angst vor dem Ungewissen – all das sind große Herausforderungen. Genau hier setzt die Unterstützung durch das Ronald McDonald Haus an. Diese Häuser bieten Eltern und Kindern ein liebevolles Zuhause auf Zeit, in unmittelbarer Nähe zur Klinik. Sie sind weit mehr als nur eine Unterkunft: Sie sind ein Ort des Trostes, der Gemeinschaft und der Geborgenheit.

Für eine Mutter oder einen Vater aus Gambia, die ihr krankes Kind begleiten, bedeutet das Leben im Ronald McDonald Haus ein Stück Normalität in einer schweren Zeit. Hier treffen sie auf andere Familien, die ähnliche Erfahrungen machen, können sich austauschen und gemeinsam Hoffnung schöpfen. Die Nähe zur Klinik ermöglicht es ihnen, jederzeit an der Seite ihres Kindes zu sein. Freiwillige Helfer und Spender tragen dazu bei, dass diese Häuser warme, herzliche Orte bleiben, an denen Familien in schweren Zeiten nicht allein sind.

Da Binta nach der Operation regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen benötigt und auch ein implantierter Herzschrittmacher in bestimmten Abständen kontrolliert werden muss, entschied sich die Familie, in Deutschland zu bleiben. Sie lebt nun in München, wo Binta zur Schule geht. Ihr Vater hat eine Umschulung zum staatlich geprüften Kinderpfleger absolviert und arbeitet nun mit Kindern – ein Beruf, der ihm nicht nur Freude bereitet, sondern auch eine Möglichkeit gibt, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Die Familie empfindet tiefe Dankbarkeit für die Hilfe, die sie erhalten hat. Aus diesem Grund engagieren sie sich in wohltätigen Projekten, insbesondere im Bereich herzkranker Kinder. Jedes Jahr nehmen sie am kinderherzen-Lauf  teil und unterstützen Organisationen, die anderen Familien mit ähnlichen Schicksalen helfen. Für Bintas Vater ist es eine Herzensangelegenheit, etwas zurückzugeben und anderen Kindern eine zweite Chance auf ein gesundes Leben zu ermöglichen – so wie es für Binta möglich gemacht wurde.

Heute kann Binta ein weitgehend normales Leben führen, auch wenn regelmäßige Untersuchungen und der Schrittmacher ein Teil ihres Alltags bleiben. Doch sie sieht ihre Geschichte nicht als Schwäche, sondern als besondere Reise, die ihr gezeigt hat, wie wertvoll das Leben ist – und dass man immer mutig bleiben sollte.