Psychologische Hilfe für herzkrank geborene Mütter

Immer mehr Frauen mit angeborenem Herzfehler (AHF) erreichen dank großer medizinischer Fortschritte das Erwachsenenalter. Wie auch viele gesunde Frauen, wünschen sich viele von ihnen, eine Familie zu gründen.

Herzkind Carolin

EMAH zählen zur „Risikogruppe“ für Schwangerschaften 

Aufgrund ihres Herzfehlers stellen Frauen mit AHF aber oftmals eine Risikogruppe für Schwangerschaften dar. Neben den körperlichen Belastungen einer solchen Schwangerschaft können auch psychische Herausforderungen eine erhebliche Rolle spielen. Dies gilt nicht nur während, sondern auch nach einer Schwangerschaft. Wir wollen diesen Frauen mithilfe eines ganzheitlichen Konzepts eine unbeschwerte Zeit mit Kind und Familie ermöglichen.

Zusammenhang zwischen Risikoschwangerschaft und psychischen Belastungen

Einzelne Studien belegen bereits einen Zusammenhang zwischen Risikoschwangerschaften und psychischen Störungen nach der Schwangerschaft. Die in diesem Fall sogenannten postpartalen Depressionen, Angststörungen oder auch geburtsbezogene Traumata, können die Folge solcher Belastungen sein, die Mutter und Kind betreffen. Sie können es der Mutter erschweren, eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen, was wiederrum einen negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit des Kindes nehmen kann.

Ganzheitliches Unterstützungskonzept

Bisher wurde fast ausschließlich den physiologischen Aspekten einer Schwangerschaft bei AHF Aufmerksamkeit geschenkt. Nur vereinzelt finden sich Hinweise auf eine psychische Mehrbelastung für Frauen mit AHF vor, während und nach einer Schwangerschaft. Um diese Informationslücke zu schließen, führt kinderherzen nun am Deutschen Herzzentrum München eine Studie zur Klärung des psychischen Zustandes von Frauen mit AHF nach der Schwangerschaft durch.

Herzkind Benne

 

Hierfür werden Frauen in der Ambulanz für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie gebeten, an einer einmaligen Fragebogenerhebung teilzunehmen. Mit Hilfe dieser Fragebogenaktion können erstmals konkrete Angaben zur Häufigkeit von (postpartalen) Depressionen, Angststörungen und Traumata sowie Parameter zur Mutter-Kind-Bindung ermittelt werden. Außerdem sollen potenzielle Risikofaktoren für die Entwicklung einer psychischen Störung untersucht werden. Hierzu gehören soziodemographische Daten, herzspezifische Parameter oder das Bindungsverhalten der Mutter.

Frühzeitige Hilfsangebote für schwangere mit angeborenem Herzfehler

Langfristiges Ziel der Studie ist es, betroffenen Frauen entsprechende Hilfe anbieten zu können, indem Depressionen und Ängste frühzeitig erkannt und gegebenenfalls behandelt werden. Auf Grundlage der erhobenen Daten sollen Unterstützungsmaßnahmen entwickelt werden, um Müttern mit AHF und deren Kindern den bestmöglichen Schutz vor negativen Auswirkungen zu bieten. Diese Studie leistet somit einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen Betrachtung und Unterstützung von Schwangeren mit AHF.

kinderherzen Stiftung München Logologo deutsches herzzentrum münchen

Therapieziele auf einen Blick

  • Frühzeitige Erkennung medizinischer Zusammenhänge zwischen Risikoschwangerschaft und postpartaler Depression, Angst und Traumata
  • Verbesserung der psychischen Behandlung von Müttern mit angeborenem Herzfehler
  • Ganzheitliche Unterstützungsmöglichkeiten
  • Stärkung der Beziehung zwischen Mutter und Kind

Daten & Fakten

Projektnummer: W-M-021/2021 KH M
Ausführlicher Projekttitel: Psychosoziale Gesundheit von Frauen mit angeborenem Herzfehler nach einer oder mehreren Schwangerschaften – PROTE-CHD
Projektlaufzeit: 01.03.2022 – 28.02.2023
01.03.2022 – 28.02.2023 53.352 €
Projektstandort: Deutsches Herzzentrum München

kinderherzen-Experten Prof. Dr. med. Nicole Nagdyman und Prof. Dr. med. Harald Kaemmerer

„Angst und Stress in der Schwangerschaft stellen einen wesentlichen Risikofaktor für die psychische Entwicklung der Mutter und des Kindes dar. Mit Hilfe der ge wonnenen Daten wollen wir erstmalig Aufschluss über die psychische Situation von Müttern mit angeborenem Herzfehler erhalten und somit ganzheitliche Unterstützungsmaßnahmen schaffen.“

 

Prof. Dr. med. Harald Kaemmerer, Leitender Oberarzt der Ambulanz für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern

Prof. Dr. med. Nicole Nagdyman, Leitende Oberärztin der Ambulanz, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Kinderkardiologie