Tiergestützte Intervention für Ambulanzpatienten und Bewohner des Ronald McDonald Hauses
1. Hintergrund und Bedarfsbeschreibung
Kinder und Jugendliche mit angeborenen Herzfehlern verbringen im Laufe ihres Lebens viel Zeit im Krankenhaus – in der Ambulanz, auf der Station, im Wartebereich vor eingreifenden Untersuchungen. Diese Zeiten sind geprägt von Anspannung, Unsicherheit und Angst: bei den kleinen Patientinnen und Patienten ebenso wie bei ihren Eltern und Geschwistern.
Das Ronald McDonald Haus direkt am Deutschen Herzzentrum München bietet Familien aus dem gesamten Bundesgebiet die Möglichkeit, während der Behandlung ihrer Kinder vor Ort zu bleiben. Viele dieser Familien sind über Wochen oder Monate in einer extremen Ausnahmesituation. Der Alltag ist auf Pause gestellt – und trotzdem muss das Leben weitergehen.
Tiergestützte Interventionen (TGI) sind in der pädiatrischen Versorgung international erprobt und gut belegt: Der Kontakt mit zertifizierten Therapiehunden senkt messbar Stresshormone, reduziert die wahrgenommene Schmerzintensität, fördert Kommunikationsbereitschaft und erleichtert medizinische Prozeduren, die für Kinder besonders belastend sind.
Die kinderherzen Stiftung München möchte dieses nachgewiesene Potenzial für die Kinder und Familien am DHM nutzbar machen – mit einem strukturierten, professionell begleiteten Pilotprojekt.
2. Projektbeschreibung
2.1 Konzept
Das Projekt sieht den regelmäßigen Einsatz von zwei zertifizierten Therapiehund-Teams an einem festen Ort im Erdgeschoss des Deutschen Herzzentrums München vor. Ambulanzpatienten sowie Bewohner des benachbarten Ronald McDonald Hauses können den Hund dort zu festen Zeiten aufsuchen – freiwillig, niedrigschwellig, ohne Anmeldung. Die beiden Teams sind:
- Susanne mit Therapiehund Zita
- Moni mit Therapiehund Toni
Beide Hundefuhrerinnen sind ausgebildet und zertifiziert für den Einsatz im klinischen Umfeld. Ihre Tiere sind für die besonderen Anforderungen des Krankenhausbetriebs trainiert, geimpft, regelmäßig tierärztlich betreut und hygienisch unbenklich einzusetzen.
2.2 Einsatzbereiche
Ambulanzpatienten: Kinder und Jugendliche, die zur Untersuchung ins DHM kommen, können den Therapiehund im Erdgeschoss aufsuchen – vor oder nach ihrem Termin. Besonders vor Echokardiographien, EKG-Ableitungen oder Blutabnahmen kann die beruhigende Präsenz der Tiere die kindliche Kooperationsbereitschaft deutlich erhöhen und den Untersuchungsablauf erleichtern.
Ronald McDonald Haus: Bewohnerinnen und Bewohner des RMD – Kinder, Eltern, Geschwister – erfahren durch den festen Anlaufpunkt im EG eine Form der emotionalen Entlastung, die medizinische Angebote so nicht leisten können. Der Hund ist da. Man muss nur hingehen.
2.3 Ablauf und Frequenz
Der Pilot umfasst insgesamt 10 Einheiten, je einen Vormittag. Geplant ist ein Rhythmus von einmal wöchentlich bzw. zweimal monatlich – die genaue Aufteilung zwischen den beiden Teams richtet sich nach der jeweiligen Verfügbarkeit und wird flexibel koordiniert. An jedem Einsatztag wird in der Ambulanz und im Ronald McDonald Haus per Aushang auf die Anwesenheit des Therapiehundes hingewiesen.
Die Einsatzplanung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Ambulanzteam und der Hausleitung des Ronald McDonald Hauses. Parallel wird eine einfache Dokumentation eingeführt, die eine Auswertung des Piloten und eine Entscheidungsgrundlage für eine mögliche Verstetigung ermöglicht.
3. Projektziele
- Reduktion von Angst und Stress bei Kindern vor und während medizinischer Untersuchungen
- Emotionale Entlastung für Familien im Ronald McDonald Haus
- Verbesserung der Kooperationsbereitschaft bei Untersuchungen und damit mittelbar des Untersuchungserfolgs
- Stärkung des Wohlbefindens von Geschwisterkindern in der Ausnahmesituation
- Etablierung eines strukturierten, reproduzierbaren Formats, das über den Pilot hinaus verstetigt werden kann
4. Stimmen aus dem Projekt
„Kinder spüren sofort, wenn ein Hund da ist – und der Raum verändert sich. Die Anspannung weicht, die Schultern fallen runter, und plötzlich ist eine Untersuchung möglich, die vorher undenkbar schien. Was Susanne und Zita leisten, ist keine Nettigkeit am Rand – es ist echte therapeutische Wirkung.“
— Prof. Dr. Peter Ewert, Direktor der Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler, DHM
„Wer sein Kind krank weiß und wochenlang fern von zuhause lebt, trägt eine Last, die man von außen kaum ermessen kann. Toni und Moni geben den Familien im Ronald McDonald Haus etwas zurück, was so einfach klingt und so selten ist: einen Moment echter Leichtigkeit.“
— Anna-Rebecca Fouani, Projektleitung, kinderherzen Stiftung München

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